+++  Konzert für Trompete und Orgel  +++     
 

Glaubens-ABC

A wie Amen

 

Am Ende eines Gebetes wird das "Amen" gesprochen. Es kommt aus dem Hebräischen und heißt: So sei es! Wahrlich! Es bedeutet einen sprachlichen, aber auch gedanklichen Abschluss des Gesagten. Gleichzeitig meint der Sprechende, so soll es sein, es soll in Erfüllung gehen, was gesagt (und gedacht) wurde. Die Gemeinde nimmt im Gottesdienst das "Amen" des Lektors oder Predigers auf und antwortet so auf das Gesagte (z.B. nach dem Eingangsgebet oder nach der Predigt). Man muss nicht mit allem einverstanden sein, was der Prediger sagt, um das "Amen" sprechen zu können. Es kennzeichnet vielmehr Übereinstimmung im Akt des Sprechens und Bekennens. Wer das "Amen" sagt, weiss sich als Teil einer größeren Gemeinschaft, die letztlich auf Jesus Christus gegründet ist.

 

A wie Andacht

 

Eine Andacht ist die kleine Schwester des großen Bruders Gottesdienst. An-denken: nichts, was man sich mitnehmen kann, sondern ein Gedanke, der sich langsam in unser Denken schiebt, Platz ergreift. In der Andacht wird ein Psalm gebetet, ein kurzer Text rezitiert, in das Lied der Tradition eingestimmt und alles vor Gott gebracht. Andacht ist nicht gebunden an einen Ort oder die Kirche. Sie gibt uns auf, über unser Leben mit Blick auf Gott nachzudenken. Viel Erfolg!

 

G wie Gemeindekirchenrat

 

Gemeindekirchenrat (oder Kirchgemeinderat oder Presbyterium) ist ein langes, umständliches Wort. Es klingt ein bisschen wie UNO-Sicherheitsrat, kommt aber nicht nur in Krisen zusammen. Der Gemeindekirchenrat berät nicht nur den Pfarrer/die Pfarrerin in schwierigen Fragen, sondern leitet die Gemeinde. Die Mitglieder werden auch Älteste (oder Presbyter) genannt, weil sie früher "gestandene" Männer und Frauen sein sollten. Heute gibt es auch junge Exemplare unter ihnen. Alle Fragen der Gemeinde (Gottesdienste, Finanzen, Gebäude, Mitarbeiter, Gemeindeleben) werden dort verhandeln, diskutiert und schließlich entschieden. Manchmal geht es durchaus kontrovers zu. Aber am Ende steht eine Entscheidung, die alle mittragen, zum Wohl der ganzen Gemeinde. Der oder die Vorsitzende leitet den GKR. Es sollte ein Laie (einer aus dem Volk sprich der Gemeinde) sein oder der Pfarrer/die Pfarrerin der Gemeinde. Die GKR-Mitglieder werden für 6 Jahre gewählt und tun dies ehrenamtlich, also ohne Bezahlung. Nur für Gotteslohn. Aber das ist auch nicht das Schlechteste.

 

R wie Reformation

Am 31. Oktober wurde das Reformationsjubiläum 2017 eröffnet. Von jetzt an bis zum 31. Oktober 2017 geht es in vielen Veranstaltungen um die Reformation und Martin Luther. Was wollte Luther und was ist daraus entstanden? Wie hat die Reformation unsere Welt verändert und wie wirkt sie bis heute weiter? Eigentlich ist es paradox. In Deutschland gibt es noch 1/3 evangelische Christen und 1/3 katholische Christen, im Osten mit stark fallender Tendenz. In den Dörfern und ländlichen Regionen gibt es noch eine ausgeprägte Kirchlichkeit, in den großen Städten geht die stark zurück. Viele feiern zwar die großen Feste wie Weihnachten und Ostern, aber den Gottesdienst besuchen wenige und auch bei den anderen kirchlichen Festen ist das Wissen oft gering. Der moderne Mensch will sich nichts mehr erzählen lassen, die Geschichten der Bibel erscheinen überholt. Ein Glaube an Gott oder an Jesus Christus, Beten und Singen, das gemeinsame Feiern im Gottesdienst oder andere Aktivitäten sind nicht mehr aktuell. Der Sonntagmorgen ist schon mit anderen Dingen verplant. Allein wenn es um so etwas wie Lebensbilanz geht, fragen Menschen nach Gott und nach den letzten Dingen. Was hält mich im Leben? Was gibt mir Kraft in schwieriger Situation? Martin Luther kannte noch eine Grundangst, die wir Gott sein Dank nicht mehr kennen und nicht fürchten müssen. Luther stand im Zwiespalt zu seinem Gott. Er wollte ihm vertrauen und hatte doch mächtig Angst. Er wollte alle Gebote erfüllen und merkte doch, dass dies nicht zu schaffen sei. Er war selbstbewusst genug, um sich gegen Papst und Kurie aufzulehnen, aber doch auch kleinmütig und ein Zweifler, wenn es um den Alltag ging. Besonders den Ablass prangerte Luther an, deshalb seine 95 Thesen an der Kirchentür der Schlosskirche zu Wittenberg, dem sogenannten Schwarzen Brett. Luther wollte vermutlich über den Ablass und Johann Tetzel, der in Jüterbog Ablassbriefe verkaufte, mit anderen diskutieren. Vor allem stellte er in Frage, ob man damit für sich und andere Heil erwerben kann. Schon vor Luther gab es Theologen, die den Handel mit Ablass kritisierten und eine Erneuerung wollten, etwa der Humanist Erasmus von Rotterdam oder Luthers Beichtvater Johann von Staupitz. Schon Jan Hus aus Prag hatte die Kirche kritisiert, wurde dafür aber auf dem Scheiterhaufen in Konstanz verbrannt. Luther nahm also Gedanken auf, die immer wieder kursierten. Luther verschärfte sie, weil er alles ablehnte, was den Menschen von Gott trennte, wie Reliquien, Ablässe, die Heiligen und andere Werke. Allein die Gnade Gottes stellte Luther in den Mittelpunkt. Das war für ihn der Schatz, den die Kirche verteilen konnte. So schrieb er: „Der wahre Schatz der Kirche ist das allerheiligste Evangelium von der Herrlichkeit und Gnade Gottes.“ (These 62) Das sollten die Gläubigen hören. Dann wären die Ablässe eh hinfällig. „Man muss die Christen lehren: Wer dem Armen gibt oder dem Bedürftigen leiht, handelt besser als wenn er Ablässe kauft.“ Luther machte ein theologisches Thema zu einem, das die Menschen bewegte und dieses Thema wurde der Ausgangspunkt für große Veränderungen.